Definition der Zielsetzung
Die Definition der Zielsetzung ist ein entscheidender Schritt bei der Durchführung eines Life Cycle Assessments. Sie legt fest, welchen Fokus die Analyse hat und bildet die Basis für alle weiteren Phasen.

Zur Vorbereitung ist es wichtig den Anwendungsbereich der Analyse festzulegen. Dazu gehört eine detaillierte Beschreibung des Produkts, das untersucht werden soll. Hier lohnt es sich, Produkte auszuwählen, die für das Portfolio besonders repräsentativ sind oder stark nachgefragt werden. Kundenanfragen können ebenfalls als Orientierung dienen, da diese häufig bestimmte Produkte in den Mittelpunkt stellen. Je nach Portfolio-Struktur, Datenlage und Steuerungsabsicht können unterschiedliche Herangehensweisen sinnvoll sein:
- Screening: Der Screening-Ansatz dient als strukturierter Einstieg, indem für alle Produkte schnell eine grobe Umweltwirkung abgeschätzt wird. Mithilfe vereinfachter Daten wird ein Überblick über das Portfolio geschaffen, um relevante Produkte oder Hotspots zu identifizieren. Dieser Ansatz kann auch durch eine Software unterstützt werden, die sich auf Screening LCAs spezialisiert.
- Fokus auf relevante Einzelprodukte: Hier werden gezielt 2–3 strategisch relevante Produkte detailliert analysiert. Die Auswahl kann sich an Umsatz, vermuteter Umweltrelevanz oder auch Kundenanfragen orientieren. Dieser Ansatz ist sinnvoll, wenn gezielt Entscheidungsgrundlagen für konkrete Produkte benötigt werden.
- Modulare Portfolio-Abdeckung: Das Produktportfolio wird in einzelne Bausteine oder Standardkomponenten zerlegt. Für diese Bausteine wird jeweils ein LCA erstellt, die sich wie Bausteine zu verschiedenen Endprodukten zusammensetzen lassen (Baukastensystem). So kann die Ökobilanz flexibel auf verschiedene Produktvarianten angewendet werden. Dieser Baukastenansatz ist besonders effizient bei einer breiten Produktvielfalt.
- Gewichtsmäßige Skalierung: Hier wird ein LCA auf Basis einer definierten Mengeneinheit (z. B. 1 Gramm einer Schraube) erstellt und anschließend proportional hoch- oder herunterskaliert. Voraussetzung ist eine geringe Produktvariabilität und ein weitgehend linearer Zusammenhang zwischen Masse und Umweltwirkung.
Der nächste Schritt besteht darin die Erkenntnisinteressen zu definieren, d.h. warum ein LCA durchgeführt wird und welche Erkenntnisse dadurch gewonnen werden sollen. Das allgemeine Ziel ist in der Regel die Umweltwirkungen eines Produktes zu verstehen. Zusätzlich ist es hilfreich ein spezifischeres Ziel festzulegen. Mögliche Beispiele können sein:
- Vergleich des Produkts mit verschiedenen Materialzusammensetzungen
- Verbesserung des Produktdesigns zur Verringerung der Umweltauswirkungen
- Energieeinsparung durch die Analyse von sogenannten Hotspots
Als weiterer Punkt muss die Zielgruppe bzw. Adressaten, für welche das LCA durchgeführt wird, festgelegt werden. Mögliche Zielgruppen können sein:
- (End-)Kunden
- Geschäftsführung
- NGOs oder andere Institutionen
- Gesetzgeber und Behörden
- Investoren und Finanzinstitutionen
Es sollte ebenfalls in dieser Phase entschieden werden, ob der Bericht inkl. Herangehensweise und Ergebnisse veröffentlicht werden soll und somit die ausgewählten Zielgruppen uneingeschränkten Zugang zu den Informationen erhalten. Dafür kann der Bericht auf die Website des Unternehmens hochgeladen werden.
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Case Study / 1.1 Definition Zielsetzung
- Anwendungsbereich (Was wird betrachtet?)
Inhalt der Studie ist die Betrachtung eines elektrischen Wasserkochers, der Wasser auf 100°C erhitzt, um Speisen oder Getränke zuzubereiten.
Der betrachtete Wasserkocher hat folgende Spezifikationen:
- Kapazität: 1 Liter
- Leistung: 2200 Watt
- Material: Edelstahlgehäuse
- Sicherheitsfunktionen: Automatische Abschaltung
- Bedienung: LED-Anzeige, ergonomischer Griff
- Farbe: Silber, Schwarz
- Gewicht: 1,2 kg; 25cm Höhe; 15cm Durchmesser
- Erkenntnisinteresse (Was ist das Ziel der Ökobilanz?)
- Identifizierung von Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus des Wasserkochers
- Identifikation von Möglichkeiten einer nachhaltigen Produktverbesserung
- Nutzung von Umweltaussagen für die Vermarktung des Produktes
- Transparenz für den Endkonsumenten
- Zielgruppe (Wer sind die Adressaten?)
- Endkunden: Transparenz über die Umweltperformance konsumierter Produkte
- Gesellschaft und NGOs: Interesse an Nachhaltigkeit von Produkten und die Einhaltung von gesetzlichen Rahmenbedingungen
- Interne Stakeholder: Verbesserung der Produkte und Stärkung des Vertrauens von Kunden und Investoren
- Offenlegung (Wird eine Veröffentlichung durchgeführt?)
- Die Ergebnisse werden in Form eines Berichts offengelegt und für die festgelegten Zielgruppen veröffentlicht
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Praxistipp:
Die Erarbeitung der genannten Punkte erfolgt am besten in einem Workshop. Im Rahmen des Projektteams können die Themen gut diskutiert werden. Möglicherweise lohnt es sich auch bereits Experten aus Produktentwicklung und Einkauf miteinzubeziehen, um diese möglichst früh einzubinden bzw. auch deren Perspektive zu berücksichtigen. Für das Management reicht es in der Regel aus, über wichtige Ergebnisse und Fortschritte informiert zu bleiben.
Wichtig ist es das LCA als strategisches Instrument zu nutzen. Dazu gehört auch zu evaluieren, welche Mehrwerte für die Organisation geschaffen werden kann, beispielsweise durch mehr Transparenz über die Herstellungs-, Nutzungs- und End-of-Life Phase. So lassen sich Potenziale für die Reduzierung von Verschwendung erkennen oder neue, zirkuläre Geschäftsmodelle entwickeln.
Checkliste:
- Haben wir ein klares Bild vom Produkt?
- Ist unser Ziel definiert?
- Welche Zielgruppe ist für uns relevant?
- Sollen die Ergebnisse veröffentlich werden?
- Haben wir alle Themen in diesen Schritten dokumentiert?
- Wurden strategische Mehrwerte des LCAs identifiziert und berücksichtigt?