Anleitung zur Dokumentation

Die ISO-Normen 14040 und 14044 legen genau fest, welche Inhalte in einem LCA-Bericht dokumentiert werden müssen. Im Grunde müssen alle betrachteten Kapitel dokumentiert werden, um Inhalte festzuhalten und eine mögliche Veröffentlichung des Berichts zu vereinfachen.

Ein kurzer Überblick über die wesentlichen Inhalte gemäß ISO-Normen:

  • Allgemeine Aspekte: Vorstellung des Studienauftraggebers, des Teams und des Berichtsdatums sowie der Hinweis auf die Durchführung des LCAs gemäß ISO-Norm
  • Ziel der Studie: Wiedergabe der Erkenntnisinteresse, des betrachteten Produkts und der Zielgruppe, genauso wie die Entscheidung über eine Veröffentlichung
  • Untersuchungsrahmen der Studie: Beschreibung der Funktion, der funktionellen Einheit und der Systemgrenzen mit den Abschneidekriterien
  • Sachbilanz: Vorgehensweise der Datenerhebung, vollständige Datensammlung und Definition der Prozessmodule
  • Wirkungsabschätzung: Erklärung der Berechnungsmethoden und der verwendeten LCIA-Methoden
  • Auswertung: Ergebnisdarstellung, getroffene Annahmen, Einschränkungen und Abschätzung der Datenqualität
  • Kritische Prüfung: Informationen zu Prüfung und ggf. Validierung

In der LCA4All Plattform ist ein strukturierter Fragebogen integriert, der alle Phasen der Ökobilanz abdeckt. Für jede Lebenszyklusphase sind spezifische Fragestellungen hinterlegt, die beantwortet und dokumentiert werden müssen. Dadurch werden die wichtigsten Bereiche wie Ziel und Untersuchungsrahmen, Sachbilanz, Wirkungsabschätzung und Interpretation umfassend erfasst. Es empfiehlt sich, die Antworten möglichst detailliert zu dokumentieren, da dies die Nachvollziehbarkeit erhöht und auf dieser Basis ein vollständiger und ISO-konformer Bericht einfach erstellt werden kann.

Hilfreich ist es, je nach Zielgruppe und Verwendungszweck zwei Versionen für den Bericht zu erstellen, die sich in der Ausführlichkeit unterscheiden:

  1. Interner Bericht: Der interne Bericht sollte alle relevanten Informationen möglichst detailliert dokumentieren. Er enthält die vollständige Datengrundlage, Annahmen, Berechnungswege und Begründungen und kann als Basis für eine externe Prüfung oder Zertifizierung dienen. So wird die Nachvollziehbarkeit und Transparenz für interne und externe Stakeholder sichergestellt.
  2. Externer Bericht (z. B. 2-Pager): Der externe Bericht fasst die wichtigsten Ergebnisse kompakt zusammen und ist auf die Kommunikation nach außen, etwa für Vertrieb oder Kunden, ausgerichtet. Neben den zentralen Resultaten werden auch die wesentlichen methodischen Grundlagen (z. B. Systemgrenze, GWP100, verwendete Standards) kurz und verständlich erläutert, sodass Transparenz und Glaubwürdigkeit gewahrt bleiben.

Kommunikation_DE

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Praxistipp: Die Dokumentation fällt deutlich leichter, wenn bereits währen der Durchführung des LCAs die wesentlichen Annahmen, Datenquellen usw. dokumentiert werden. Dafür lässt sich sehr gut der Fragebogen in der LCA4All Plattform als roten Faden nutzen.

Checkliste:

  • Haben wir uns einen Überblick über die Dokumentationsanforderungen in der ISO-Norm verschafft?
  • Haben wir alle Themen dokumentiert?
  • Haben wir die Berichtsversionen passend zur Zielgruppe (intern / extern) erstellt?

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Hinweis zu Umweltdeklarationen:

Besondere Anforderungen an die Dokumentation ergeben sich, wenn im Rahmen des LCAs eine Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration – EPD) erstellt wird. Ein EPD basiert, genau wie ein LCA, auf der systematischen Bewertung von Umweltwirkungen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Aber ein EPD folgt strenger standardisierten Vorgaben (z. B. ISO 14025), um die Vergleichbarkeit zwischen Produkten sicherzustellen und erfordert eine externe Zertifizierung.

Wichtige Programmbetreiber für EPDs:

  • The International EPD System: Globaler Programmbetreiber mit einer der größten EPD-Datenbanken; branchenübergreifend (z. B. Bauprodukte, Konsumgüter, Energie).
  • ECO Platform: Europäische Dachorganisation zur Harmonisierung von Bauprodukt-EPDs und zur gegenseitigen Anerkennung nationaler Programme.
  • Institut Bauen und Umwelt (IBU): Deutscher Programmbetreiber mit Fokus auf Bauprodukte und Baustoffe; stark im europäischen Bausektor etabliert.
  • EPD Hub: Internationaler EPD-Programmhalter mit Schwerpunkt auf Bauprodukten und einer digitalen Plattform zur Veröffentlichung von EPDs.
  • PEP ecopassport: Programmbetreiber mit Fokus auf Elektro-, Energie- und Gebäudetechnikprodukte.

Im Unterschied zur offenen Struktur einer LCA sind in einer EPD Systemgrenzen, Datengrundlagen und Berichtsformate verbindlich definiert. Dadurch eignet sie sich besonders für den transparenten, normgerechten Umweltvergleich verschiedenster Produkte — nicht nur im Bausektor, sondern auch in Bereichen wie Elektrotechnik, Verpackung, Konsumgütern oder industriellen Vorprodukten.

Die Dokumentation muss daher so ausführlich sein, dass eine unabhängige Verifizierung möglich ist und alle relevanten Vorgaben der jeweiligen Programmbetreiber (z. B. PCR – Product Category Rules) erfüllt werden. Eine sorgfältige und strukturierte Dokumentation erleichtert die spätere Erstellung und Prüfung der EPD erheblich.