Modellierung der Sachbilanz in der LCA-Software

Die Berechnung der Umweltwirkungen wird in der Regel Software gestützt durchgeführt, wofür die Abbildung des Produktlebenszyklus in der Software notwendig ist. In diesem Schritt werden alle gesammelten Daten – zu Materialien, Energie, Transport, Nutzung und Entsorgung – systematisch in die ausgewählte Life Cycle Assessment -Software eingegeben.

Softwareeingabe_DE

Die Modellierung des Lebenszyklus ist je nach Software etwas unterschiedlich. Jedoch sind die Kernelemente vergleichbar und notwendig, um eine spätere Berechnung zu ermöglichen.

  1. Ordnerstruktur vorbereiten Bevor die eigentliche Modellierung beginnt, kann es sinnvoll sein, thematische Ordner und Kategorien anzulegen (z. B. "Wasserkocher", "Transport", "Recycling"). Das macht den Umgang mit der Software einfacher und trägt zur Übersichtlichkeit bei.

  2. Definition von Flows (Stoff- und Energieflüsse) Ein „Flow“ ist die Bewegung von Materialien, Energie oder Emissionen zwischen Prozessen oder zur/von der Umwelt über den gesamten Lebenszyklus. Man unterscheidet zwischen:

    • Elementarfluss: Stoffe oder Energie, die direkt aus der Umwelt entnommen oder in die Umwelt emittiert werden ohne Umwandlung (z.B. Emissionen, Ressourcen)
    • Abfallfluss: Stoffe, die das System verlassen (z.B. Abwasser, Abfall)
    • Produktfluss: Ströme die Prozesse miteinander verbinden (z.B. Transport, Elektrizität)

Wichtige Eigenschaften, die in der Software definiert werden:

  • Name (z. B. „Transportierter Wasserkocher“)
  • Flusstyp
  • Referenzeinheit (z. B. kg, MJ, Stück)
  1. Erstellung von Prozessen Ein Prozess ist eine modellierte Aktivität mit Inputs und Outputs (z. B. Herstellung, Transport, Nutzung). Wichtige Eigenschaften sind:

    • Name (z. B. „PET Granulat Produktion“)
    • Quantitativer Referenzfluss (z. B. Output: 1 kg PET)
    • Input-Flows: z. B. Rohstoffe, Energie, Transport
    • Output-Flows: z. B. Produkt, Emissionen, Abfälle
  2. Erstellung des Produktsystems Das Produktsystem enthält alle Prozesse über den gesamten Lebenszyklus. Auf dieser Ebene ist die Berechnung der Umweltwirkungen des Produktsystems möglich.

Bei der Modellierung in der Software sollte man gezielt folgende Aspekte überprüfen:

  • Einheiten: Sind alle Einheiten (z. B. bei Gewichten, Volumina) korrekt und einheitlich gepflegt?
  • Vollständigkeit: Sind alle relevanten Prozesse und Stoffströme vollständig erfasst?
  • Bezug zur funktionellen Einheit: Beziehen sich alle Eingaben und Ergebnisse eindeutig auf die definierte funktionelle Einheit?
  • Flüsse und Mengen: Werden alle Stoff- und Energieströme mit Mengenangaben (Quantities) angezeigt und gibt es Unstimmigkeiten oder Brüche in den Flüssen?
  • Vorgelagerte Prozesse: Sind vorgelagerte Prozesse korrekt abgebildet (z. B. als Einzelprozesse (unit) oder als aggregierte Systeme (system))?

Eine sorgfältige Überprüfung dieser Punkte hilft, Fehler und Inkonsistenzen frühzeitig zu erkennen und die Nachvollziehbarkeit der Sachbilanz sicherzustellen.

====================================================================================================================================================================

Praxistipp: Tutorials und Case Studies können helfen, die Modellierung in der Software besser zu verstehen und durchzuführen, weshalb im Folgenden Links zu Tutorials aufgelistet sind:

Checkliste:

  • Ist der Lebenszyklus des Produktes vollständig in der Software modelliert?
  • Sind alle Input-/Outputdaten pro Prozess eingegeben?
  • Sind alle Eingabefelder in der Software korrekt befüllt (Einheiten, Werte, Quellenangaben)?
  • Haben wir die definierten Systemgrenzen und funktionelle Einheit korrekt umgesetzt?