Im Rahmen der Datensammlung erfolgt zunächst die Definition der konkreten Anforderungen. Das bedeutet es muss festgelegt werden, welche Art von Daten für das LCA genutzt werden.
Wie bereits im Kapitel 1.4 Einführung in die Datenqualität erwähnt, unterscheidet man bei den Sachbilanzdaten zwischen:

Wie wähle ich den richtigen Datentyp aus?
Alle relevanten Daten werden im Rahmen der Sachbilanz gesammelt. Das Ergebnis ist eine Zusammenstellung aller Inputs und Outputs über den gesamten Lebenszyklus. Die Sachbilanz wird im weiteren Verlauf in einer Software abgebildet. Im ersten Schritt kann aber das folgende Template bei der Datensammlung unterstützen.

Im Folgenden wird jede der fünf Lebenszyklusphasen näher betrachtet. Für die einzelnen Phasen gibt es jeweils Datenquellen, die typischerweise verwendet werden.
In dieser Phase werden die Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe sowie die Lieferung der Produktkomponenten bis zur Produktionsanlage untersucht.
Relevante Aktivitäten:
Methoden zur Emissionsberechnung:
Typische Datenquellen:
Praxistipp:
Identifizieren Sie zunächst Ihre Top Lieferanten. Die Abfrage der Daten kann mithilfe eines Fragebogens erfolgen. Im Folgenden kann ein beispielhaftes Template heruntergeladen werden.

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Case Study | 2.3 Definition der Datenanforderungen (Beschaffung Rohmaterial)
Folgende Datenzugänge wurden in erster Linie verwendet:

Für die Beschaffungsphase wurden folgende Annahmen getroffen:
Es werden alle Aktivitäten innerhalb des Unternehmens betrachtet, die notwendig sind, um das Produkt herzustellen, inklusive Energieverbrauch, Ausschüsse und interne Logistik. In dieser Phase ist in der Regel die Verfügbarkeit von spezifischen Daten am höchsten. Die Herausforderung liegt oft darin, Daten auf ein einzelnes Produkt herunterzubrechen.
Relevante Aktivitäten:
Methoden zur Emissionsberechnung:
Typische Datenquellen:
Praxistipp: Daten für die eigenen Produktionsprozesse liegen in der Regel in sehr guter Datenqualität vor. Die Herausforderung besteht häufig darin, die Verbräuche auf das einzelne Produkt herunterzubrechen. Eine Möglichkeit ist die Allokation auf Basis des Umsatzes. Im folgenden Template können die Gesamtverbräuche des Produktionsstandorts mithilfe unterschiedlicher Kriterien, wie dem Umsatzanteil eines einzelnen Produktes, Produktionszahlen oder Maschinenstunden, heruntergebrochen werden. Wenn die Produktionsphase nach ersten Einschätzungen keinen großen Einfluss auf das Gesamtergebnis hat, empfiehlt es sich, einen pragmatischen Ansatz zu wählen.

Die Transportaktivitäten spielen eine zentrale Rolle im gesamten Lebenszyklus eines Produkts und müssen umfassend betrachtet werden. Dazu gehören die Bewegung von Rohstoffen, Zwischenprodukten und Endprodukten entlang der Lieferkette, einschließlich des Kraftstoffverbrauchs, der zurückgelegten Entfernungen und der eingesetzten Transportarten.
Relevante Aktivitäten
Methoden zur Emissionsberechnung
Es gibt zwei Methoden zur Berechnung von Emissionen aus Transportaktivitäten:
Distanzbasierte Methode: Diese Methode wird genutzt, wenn Informationen zu Masse, Transportentfernung und Transportart verfügbar sind. Die Emissionen werden dabei auf Basis der Tonnenkilometer (tkm) berechnet:
Tonnenkilometer (tkm) = Gewicht der Sendung (t)×zurückgelegte Entfernung (km)
Mögliche Datenquellen:

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Case Study | 2.3 Definition der Datenanforderungen (Transport und Distribution)
In dieser Fallstudie werden die Auswirkungen des Transports eines elektrischen Wasserkochers von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung am Ende der Lebensdauer anhand einer entfernungsbasierten Berechnungsmethode modelliert. Die Studie schließt den Transport des Verbrauchers zum und vom Einzelhändler aus und geht von typischen Transportentfernungen auf der Grundlage von Industriestandards aus.
Modellierung des Transports für 1 Wasserkocher

Praxistipp: Konzentrieren Sie sich auf die Transportphasen, die unter Ihrer direkten Kontrolle stehen – wie den Transport vom Lieferanten zum Unternehmen, innerbetriebliche Transporte oder zum Kunden. Für vorgelagerte Transporte, wie den Rohstofftransport, ist häufig bereits ein passender Emissionsfaktor in Datenbanken wie Ecoinvent enthalten (z. B. gekennzeichnet durch „market for“). Auch für die Entsorgungsphase kann man in der Regel auf allgemeine Durchschnittsdaten zurückgreifen.
Insgesamt macht es Sinn, zunächst eine überschlägige Abschätzung der Transportemissionen vorzunehmen und erst dann ins Detail zu gehen, wenn sich zeigt, dass Transporte einen relevanten Beitrag zur Gesamtemission leisten.
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In der Nutzungsphase wird das Produkt durch den Kunden oder Nutzer eingesetzt. Je nach Produkttyp (z.B. Elektrogerät, Fahrzeug) kann diese Phase eine hohe Umweltwirkung haben durch den Energieverbrauch oder auch durch die Wartung des Produktes. In anderen Fällen (z.B. Plastiktüte) kann diese Phase auch keinerlei Umweltwirkung verursachen.
Relevante Aktivitäten
Methoden zur Emissionsberechnung
Mögliche Datenquellen
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Case Study | 2.3 Definition der Datenanforderungen (Nutzung)
Wichtig ist hier wieder der Bezug zur funktionellen Einheit: Erhitzen von 1 Liter Wasser von 20°C auf 100°C

Bei einer alternativen funktionellen Einheit, die einen elektrischen Wasserkocher über die Lebensdauer von 5 Jahren berücksichtigt, müsste eine Hochrechnung stattfinden. Unter der Annahme, dass 3360 Liter Wasser über den gesamten Lebenszyklus gekocht werden, wird der Stromverbrauch entsprechend hochgerechnet.
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Praxistipp: Typischerweise werden in dieser Phase durchschnittliche Daten auf Basis von Studien oder Branchendaten verwendet. Besonders die private Nutzung ist oftmals schwer abzuschätzen. Wichtig ist hierbei auch die funktionelle Einheit im Blick zu behalten. Beispielsweise muss der notwendige Stromverbrauch auf die Lebensdauer hochgerechnet werden. Herstellerangaben zur Lebensdauer unterschätzen oft die tatsächliche Nutzungsdauer, weshalb in der Praxis zusätzlich Erfahrungswerte zur realistischen Abschätzung herangezogen werden sollten. Eine gute Möglichkeit ist auch die Gegenüberstellung von unterschiedlichen Nutzungsszenarien währen der Analyse und in den Ergebnissen.
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Das Ende der Lebensdauer eines Produkts ist erreicht, wenn es als Abfall verarbeitet oder in einem anderen Produkt wiederverwertet oder wiederverwendet wird.
Relevante Aktivitäten
Die Entsorgungsphase des Produkts kann verschiedene Szenarien umfassen, also eine Kombination aus den drei Entsorgungsmethoden.
Methoden zur Emissionsberechnung
Mögliche Datenquellen
Im Falle von Recycling gilt es zwischen zwei Systemen abzugrenzen. Das folgende Schaubild stellt dies dar. Während der Materialfluss bei einer Deponierung nach dem Lebensende des Primärprodukts endet, kann bei einer Müllverbrennung noch Energie (z.B. Strom) erzeugt und verwendet werden. Bei der stofflichen Verwertung – also dem Recycling – fließen die Materialien als Sekundärrohstoffe in das nächste System über.
Um diesen Systemüberlauf beim Recycling korrekt abzubilden, wird in LCAs häufig die sogenannte Cut-off-Methode angewendet. Alternative Ansätze zur Behandlung von Recycling sind im Appendix B erläutert.

In der Cut-off-Methode ist der primäre Produzent 100% verantwortlich für die Rohstoffgewinnung, erhält jedoch keine Gutschrift für potenzielles Recycling. Allerdings wird er beim Abfall entlastet, denn das Produkt verlässt mit dem Recycling das System. Die Wiederverwertung gilt als Müllvermeidung und zählt nicht mehr zu seiner Bilanz.
Der sekundäre Nutzer hingegen wird bei den Rohstoffen entlastet, da er keine Umweltlasten für die ursprüngliche Herstellung trägt – lediglich der Recyclingprozess wird ihm angerechnet. Dadurch entsteht ein Anreiz, Recyclingmaterial zu nutzen.
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Case Study | 2.3 Definition der Datenanforderungen (Entsorgung)
Für die Entsorgungsphase wurden für den Wasserkocher folgende Annahmen getroffen:

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Praxistipp: Der Cut-Off-Ansatz ist die am häufigsten verwendete Methode für die Aufteilung von Wertstoffen. Das bedeutet konkret, dass alle Materialien am Ende des Lebenszyklus recycelt werden und in dieser Lebenszyklusphase keinerlei Umweltauswirkungen verursachen. Für die Materialien, die deponiert oder verbrannt werden, gilt es einen passenden Emissionsfaktor zu finden.
Checkliste