Vorbereitung der Datensammlung
Die Vorbereitung der Datensammlung stellt sicher, dass die relevanten Informationen aus den Fachabteilungen effizient erfasst werden können.

- Analyse der Lebenszyklusphasen: Zunächst werden die Lebenszyklusphasen genauer betrachtet, um die wichtigsten Prozesse zu identifizieren. Diese Analyse erfolgt innerhalb der zuvor definierten Systemgrenzen.
- Kontaktaufnahme mit Fachabteilungen: Um Zugang zu den relevanten Daten zu erhalten, ist es wichtig, den Kontakt zu den Fachabteilungen herzustellen. Die dortigen Experten verfügen über die notwendigen Informationen für das geplante LCA und können die Details zu den Prozessen erklären.
- Planung von Gesprächen und Workshops: Gespräche und Workshops mit den Fachabteilungen sollten gezielt geplant werden, um einen effektiven Austausch von Daten sicherzustellen.
Wichtige Daten in den jeweiligen Lebenszyklusphasen, um die Umweltauswirkungen berechnen zu können, sind:
Rohstoffgewinnung:
- Art und Menge der verwendeten Rohstoffe
- Herkunftsregion der Materialien
- Produktionsweg des Rohstoffs
Produktion:
- Energieverbrauch in der Produktion
- Verwendung von Wasser und anderen Ressourcen
- Art und Menge der erzeugten Abfälle und Emissionen
- Materialverluste und Ausschuss
Transport und Distribution:
- Verpackungsmaterialien
- Transportwege und -mittel zum Händler oder Kunden
- Masse der transportierten Waren: Versandgewicht in Tonnen (t)
- Lagerbedingungen und Energieverbrauch während der Lagerung
Nutzung:
- Energieverbrauch und Emissionen während der Nutzung
- Wartungs- und Reparaturanforderungen
- Lebensdauer des Produkts
End-of-Life (Entsorgung/Recycling):
- Art und Menge der Abfälle bei der Entsorgung
- Recyclingfähige Materialien und deren Wiederverwertbarkeit
- Transportwege und -mittel für die Entsorgung
- Entsorgungswege (z.B. Deponierung, Verbrennung)
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Case Study | 2.2 Vorbereitung der Datensammlung
Zur Erinnerung: die Systemgrenze für den Wasserkocher wurde als Cradle-to-Grave-Methode festgelegt, das bedeutet es ist wichtig sich für die Vorbereitung der Datensammlung alle Phasen von der Rohstoffbeschaffung bis zur Entsorgung anzusehen.
Rohstoffbeschaffung:
- Betrachtung von relevanten Inputs wie Kunststoff, Stahl, Kupfer und Holz (für Verpackung) und deren Menge
- Energieverbrauch bei der Gewinnung von z.B. Stahl
- Transportwege und -mittel der Rohstoffe
- Umweltauswirkungen der Rohstoffgewinnung (z.B. Emissionen)
Produktion:
- Daten zu Energie- und Wasserverbrauch zur Herstellung des Wasserkochers (Verzicht auf Energie in Montage)
- Verwendung von Wasser und anderen Ressourcen
- Art und Menge der anfallenden Abfälle
- Transport innerhalb der Produktionskette
Distribution:
- Anfallende Emissionen im Transport, sowie in der Logistik
- Verpackungsmaterialien und deren Umweltauswirkungen
Nutzung:
- Energieverbrauch und Emissionen durch die Erhitzung von Wasser
- Wartungs- und Reparaturanforderungen
- Lebensdauer des Wasserkochers
Entsorgung:
- Daten zu anfallender Umweltverschmutzung durch die Entsorgung
- Art und Menge der Abfälle
- Recyclingquote von Metallabfällen
- Transportwege und -mittel für die Entsorgung
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Praxistipp:
Um ein klares Verständnis zu den Details des Produktlebenszyklus zu erhalten, ist es wichtig Interviews mit relevanten Fachabteilungen zu führen. Durch die Detaillierung des Systemfließbilds lassen sich die Prozesse gut abbilden. Auf Basis dieser Visualisierung können dann die zu sammelnden Datenpunkte abgeleitet werden.
Insbesondere bei der erstmaligen Durchführung eines Life Cycle Assessments ist es nicht erforderlich, direkt überall eine perfekte Datenqualität sicherzustellen. Vielmehr empfiehlt sich eine pragmatische Herangehensweise bei der im ersten Schritt bspw. mit groben Daten (z.B. Durchschnittsdaten) zu starten, um den Aufwand zu reduzieren und sich nicht bereits am Anfang im Detail zu verlieren. So lassen sich auch Hotspots identifizieren, auf die in zukünftigen Analysen der Fokus liegen sollte. Das LCA kann dann Schritt für Schritt verfeinert werden, mit beispielsweise lieferantenspezifischen Daten.
Checkliste:
- Haben wir uns einen Überblick über die Systemgrenze verschafft?
- Haben wir alle relevanten Experten identifiziert?
- Sind Gespräche oder Workshops für die Datenerhebung bereits geplant?