Nach der Berechnung werden die Ergebnisse des Life Cycle Assessments in der Software ausgewertet. Hierbei spielen unter anderem die Hotspot Analyse und die passende Visualisierung eine wichtige Rolle, um das Ergebnisse richtig zu interpretieren.
Identifizierung signifikanter Hotspots
Bei der Analyse der Ergebnisse sind zunächst die wichtigsten Einflussfaktoren des LCA zu ermitteln. Die Hotspot-Analyse ist ein wichtiges Instrument, um zu analysieren, welche Prozesse, Materialien oder Lebenszyklusphasen eine besonders hohe Umweltbelastung haben. Hier können unterschiedliche Detailanalysen unternommen werden:
Ein praxisnaher Einstieg in die Auswertung besteht darin, zunächst die Wirkungskategorie „Klimawandel“ zu betrachten. Diese Kategorie ist meist leichter einzuordnen, da CO₂-Äquivalente intuitiv verständlicher sind und gut mit bekannten Referenzwerten verglichen werden können. Die Download Datei ‚Übersicht Wirkungskategorien‘ in der LCA-Plattform bietet hier eine Hilfestellung, um alle Wirkungskategorien zu interpretieren.
Zusätzlich wird häufig ein LCA-Score (Single Score) berechnet, der alle Umweltwirkungen zu einem einzigen Indikator zusammenfasst. Dieser einzelne Wert sollte jedoch kritisch betrachtet werden, da er ein stark vereinfachtes Bild der Umweltbelastungen zeichnet und wichtige Unterschiede zwischen Materialien, Prozessen oder Wirkungskategorien verschleiern kann. Heutzutage werden die Ergebnisse eines LCAs bereits in den verschiedenen Softwares in Diagrammen und Tabellen visualisiert. Für eine exakte Bewertung kann das Ergebnis unterschiedlich gefiltert werden. In der Software erhält man Einsicht zu den Auswirkungen pro Material, sowie für jede Lebenszyklusphase. Darüber hinaus kann das Treibhausgaspotenzial eines Prozesses gezielt analysiert oder eine einzelne Wirkungskategorie detailliert untersucht werden.
Einordnung der Ergebnisse
Ein Benchmark-Vergleich mit ähnlichen Produkten oder Studien liefert oftmals eine gute Orientierung. Dadurch lassen sich die Ergebnisse ins Verhältnis setzen, um zu erkennen, ob bestimmte Materialien, Prozesse oder Lebenszyklusphasen im Vergleich besonders belastend sind.
Wichtig zu beachten ist, dass der absolute Vergleich mit anderen Studien immer kritisch zu betrachten ist. Unterschiede in Systemgrenzen, funktioneller Einheit, Datengrundlage und Annahmen können dazu führen, dass die Ergebnisse nicht direkt vergleichbar sind. Deshalb können Benchmarks primär zur Einordnung der Größenordnung der Umweltwirkungen oder auch zum Vergleich von Hotspotsund nicht zur absoluten Bewertung genutzt werden.
Ableitung erster Verbesserungsansätze und Maßnahmen
Im zweiten Schritt werden die größten Einflussfaktoren mit möglichen Handlungsoptionen verglichen. Ziel ist es, sogenannte Quick Wins zu identifizieren – also Verbesserungspotenziale, die mit relativ geringem Aufwand zu realisieren sind.
Typische Fragestellungen in dieser Phase sind:
Wird beispielsweise ein bestimmter Rohstoff als Hotspot identifiziert, kann als mögliche Lösung das Material gegen die recycelte Alternative eingetauscht werden. Damit kann eine Verringerung der Umweltauswirkungen und der Herstellungskosten erzielt werden.
Im Projektalltag hat sich gezeigt, dass es hilfreich ist, bereits in diesem Schritt mit den Fachabteilungen zu sprechen, um technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit frühzeitig zu berücksichtigen. Im Detail geht der Leitfaden im nächsten Kapitel auf die konkrete Durchführung von Verbesserungsprojekten ein.
Rückkopplung mit Zielsetzung und Überprüfung der Datenqualität
Für ein aussagekräftiges Life Cycle Assessment ist es wichtig, die Zielsetzung bei der Bewertung zu berücksichtigen. Es sollte kontrolliert werden, ob die ursprünglich in Phase 1 festgelegten Ziele mit der Analyse und den Ergebnissen erreicht werden können. Dabei kann es helfen auf Dokumentationen der früheren Phasen zurückzugreifen.
Gleichzeitig ist es wichtig die Datenqualität zu berücksichtigen. Haben unsichere Annahmen oder geschätzte Daten das Ergebnis stark beeinflusst? Ist eine zusätzliche Datenverfeinerung nötig, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erzielen? Diese Rückkopplung ist laut ISO 14044 notwendig, um die Ergebnisse valide und belastbar zu machen – besonders, wenn sie nach außen kommuniziert oder zur Entscheidungsfindung verwendet werden sollen.
Überprüfung der Annahmen durch Szenarien
Ein wichtiger Schritt in der Ergebnisbewertung ist die Überprüfung zentraler Annahmen mithilfe von Szenarioanalysen. Beispielsweise kann die angenommene Nutzungsdauer eines Produkts mit Werten aus Studien oder allgemeinen Herstellerangaben verglichen werden. Durch das gezielte Variieren von Annahmen (z. B. längere oder kürzere Nutzungsdauer, unterschiedliche Recyclingquoten, alternative Energiequellen) lässt sich abschätzen, wie robust die Ergebnisse sind und welche Einflussfaktoren besonders sensitiv auf Veränderungen reagieren. So können Unsicherheiten transparent gemacht und gezielt adressiert werden.
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Case Study | 4.1 Auswertung der Ergebnisse
Die Ergebnisse des Wasserkochers sind mit Hilfe eines Diagramms aufgezeigt:
Durch die gewählte Visualisierung ist zu erkennen, dass besonders in der Nutzungsphase die meisten Umweltauswirkungen entstehen. Aber auch die Rohstoffe wie Metall und Plastik tragen zur Belastung der Umwelt bei. Um nachhaltiger zu agieren, wird eine energieeffiziente Technologie entwickelt, die den Energieverbrauch bei der Nutzung des Wasserkochers senkt. Außerdem wird auf Konfliktmaterialien wie Chrom verzichtet, um mögliche Ausbeutung in den Rohstoffländern zu verhindern.
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Praxistipp: In der Praxis empfiehlt sich ein interaktiver Workshop, bei dem Fachabteilungen wie Einkauf, Entwicklung, Umweltmanagement und ggf. externe Stakeholder eingebunden sind. Im Workshop können Hotspots gemeinsam diskutiert, Quick Wins bewertet und Rückschlüsse für eine weitere Datenerhebung gezogen werden. Tools wie ein „Impact Ranking“ oder Material-Heatmaps sind hilfreich, um Diskussionen zu strukturieren. Die Ergebnisse können direkt in der Software visualisiert oder alternativ in einer Excel-Tabelle für eine detaillierte Auswertung exportiert werden. Viele Toolanbieter ermöglichen zudem den Download eines finalisierten Berichts, der alle wichtigen Daten übersichtlich in einem PDF zusammenfasst. Dieser Bericht kann problemlos mit relevanten Zielgruppen geteilt werden, um eine klare und professionelle Kommunikation der Ergebnisse sicherzustellen.
Checkliste: